Körperbilder

Jenny Saville Skene 2023 The Nixon Collection © Jenny Saville Bildrecht Wien 2025

Diesen Frühling widmet sich die Albertina gleich zwei Künstlerinnen von Weltrang. Ab Mitte März sind Werke der britischen Künstlerin Jenny Saville zu sehen. Und im April werden Arbeiten der US-amerikanisch-italienischen Künstlerin Francesca Woodman gezeigt.

Jenny Saville zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen der Young British Artists und nahm als einzige figurative Malerin an der legendären Ausstellung Sensation in der Royal Academy of Arts 1997 London teil. Über mehr als drei Jahrzehnte hinweg, setzt sich die 1970 geborene Britin in ihrem Oeuvre mit der jahrhundertealten Tradition von Körperbildern auseinander, wobei ihre Figuren eine doppeldeutige Position zwischen Idealisierung und Dekonstruktion einnehmen. Sie lässt sich von der Kunstgeschichte inspirieren – von alten Meistern wie Leonardo und Raffael bis hin zu Egon Schiele, Picasso, Francis Bacon und Lucian Freud – zu einer Malerei, die von Körperlichkeit, Fleischlichkeit und dem Zusammenspiel von neuen und alten Medien geprägt ist.

Saville übersetzt die Techniken der alten Meister in eine originelle, aktuelle Herangehensweise, die zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion pendelt. Dabei entwickelt sie ihre figurativen Darstellungen, vergleichbar einem Bildhauer, meist aus abstrakten Farbfeldern und dicken Farbschichten, die nach und nach Form annehmen. Antike oder christliche Ikonographien dienen ihr als Vorlage für die Auseinandersetzung mit der Komposition und Raum-Figur-Fläche-Anordnungen. Letztendlich geht es der Künstlerin auch um die Entwicklung eines hybriden Formenkanons, der seine Vorlagen als Ausgangspunkt für eine Aktualisierung des historisch Überlieferten heranzieht.

Dabei verschränkt Saville die Medien Malerei und Zeichnung miteinander und lotet das ästhetische Potential des Grafisch-Malerischen aus: Riesige Papierarbeiten bemalt sie mit Farbe, und Leinwände werden wiederum mit Kreide und Kohle bearbeitet. Seit den 1990er-Jahren entstehen figurative Darstellungen von betonter, expliziter Körperlichkeit, die sich durch Direktheit und Unmittelbarkeit, ja, ungewohnte, manchmal extreme Körper-Ansichten auszeichnen.

Neben den großen Figuren- und Aktdarstellungen in klassischen Posen – stehend, liegend, sitzend und deren zeitgenössischen Abwandlungen – widmet sich die Künstlerin vor allem auch Porträt- und Selbstdarstellungen. Ob sie die Geschichte, die Körper anderer oder sich selbst darstellt, ihr Werk zeichnet sich immer dadurch aus, dass es sich über die konventionellen Vorstellungen von Schönheit und Hässlichkeit hinwegsetzt. Ausstellungsdauer: 21. März bis 29. Juni 2025. Bild ganz oben: Jenny Saville, Skene 2023, The Nixon Collection © Jenny Saville Bildrecht Wien 2025, Foto Lucy Dawkins, Courtesy Gagosian

Kreative Selbstinszenierung

Francesca Woodman Polka Dots, © 2024, Woodman Family Foundation Bildrecht, Wien

Francesca Woodman Polka Dots, © 2024, Woodman Family Foundation Bildrecht, Wien

Francesca Woodman (1958–1981) kreierte ihr Oeuvre in einer acht Jahre währenden Schaffensphase ab 1973 bis 1981. Ihr Werk ist von einer leidenschaftlichen Selbstinszenierung sowie von der kreativen Positionierung des weiblichen Körpers im Raum gekennzeichnet, im Kontext konzeptueller Fotografie und Performance. Die Themen ihrer Arbeiten kreisen um Weiblichkeit, Verletzlichkeit und kreative Selbstinszenierung. Seit ihrer Gründung im Jahr 2004 erwarb die Sammlung Verbund kontinuierlich Fotografien von Woodman. Sie verfügt mit rund 80 Werken, davon 20 Vintage, über eine der umfassendsten Sammlungen dieser außergewöhnlichen Künstlerin. Ausstellungsdauer: 4. April bis 6. Juli zu sehen. Albertina