Stadt großer Töchter

Lise Meitner © Österreichische Zentralbibliothek für Physik u Fachbereichsbibliothek Chemie

Die Pionierinnengalerie im Arkadenhof des Wiener Rathaus stellt außergewöhnliche Frauen, ihr Engagement, ihr Handeln und ihre Leben in den Mittelpunkt.

Die Galerie möchte jene Frauen sichtbar machen, die mit ihrem Mut, ihrer Kreativität und ihrer Beharrlichkeit neue Wege gegangen sind. Zu den Porträtierten zählen die unterschiedlichsten Frauen: Vertreten sind etwa die Schriftstellerin und Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner oder Adelheid Popp, die erste Berufspolitikerin Österreichs.

Die biografischen Hintergründe dieser Pionierinnen sind höchst unterschiedlich. War es für einige ökonomisch leichter, sich ihrer Profession, ihrem Wirken zu widmen, war anderen der Weg zur höheren Bildung erschwert oder durch die jeweils konkreten politischen Umstände verunmöglicht. Fast allen Frauen war gemeinsam, dass sie sich als Frauen erst ihren Platz und ihre Rechte erkämpfen mussten.

Adelheid Popp 2

Adelheid Popp Wikimedia

Die ausgestellten Porträts stehen für unterschiedliche Bereiche, in denen sich diese und viele andere Frauen engagierten. Einige der Frauen sind international bekannt und geehrt, andere weniger. Sie lebten in verschiedenen Zeiten und verfolgten unterschiedliche politische Ziele. Die Pionierinnengalerie will keine widerspruchsfreie Geschichte „der Frauen“ in Wien präsentieren, sondern das vielstimmige Engagement von Frauen sichtbar machen, verbunden durch einen roten Faden: Dem Ziel einer Gleichberechtigung von Frauen und Männern und einer gerechten Gesellschaft.

Die Pionierinnengalerie wird laufend erweitert. Die beiden Neuzugänge wurden zu Beginn der diesjährigen Frauenwoche präsentiert. Es sind die Schwimmerin Judith Deutsch-Haspel und die Autorin Friederike Mayröcker. Judith Deutsch-Haspel (1918-2004) war eine mehrfach ausgezeichnete Wiener Schwimmerin. 1936 verzichtete sie aus Protest gegen das Nazi-Regime auf ein Antreten bei den Olympischen Spielen, sie wurde daraufhin vom Österreichischen Schwimmverein gesperrt und verließ Österreich noch rechtzeitig 1938. Sie wurde erst 1999 rehabilitiert und ihre sportlichen Errungenschaften erneut gewürdigt.

Friederike Mayröcker (1924-2021) hat mehr als 100 Bücher veröffentlicht. Ihr Stil reicht von surrealistisch inspirierten Gedichten und Kurzprosastücken, über experimentelle Texte der 60er-Jahre sowie Hörspiele bis hin zu Lyrikbänden und einer Serie großer Prosabücher. Mayröcker wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet. „Die großen Frauen der Pionierinnengalerie sind Vorreiterinnen. Dieses Jahr freuen wir uns, die Galerie um zwei weitere Koryphäen ergänzen zu dürfen“, sagte Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál bei der Enthüllung der neuen Pionierinnentafeln im Arkadenhof des Rathauses.

„Wien war immer ein Ort der Pionierinnen. Eine von ihnen war Friederike Mayröcker, die mit ihrer unermüdlichen Schaffenskraft die Grenzen der Sprache ausgelotet hat. Sie hat bewiesen, dass literarische Eigenwilligkeit nicht nur ein Stilmittel, sondern eine Form von Widerstand sein kann – besonders im Kontext einer von Männern dominierten Nachkriegsliteraturszene. Ihr Werk zeigt, wie weibliches Schaffen Räume eröffnet, bestehende Strukturen hinterfragt und Konventionen sprengt. In diesem Geist feiern wir heute alle Wiener Pionierinnen – jene, die Geschichte geschrieben haben, und jene, die sie heute und in Zukunft weiterschreiben“, ergänzte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler. Die Pionierinnengalerie kann noch bis Ende März im Arkadenhof des Wiener Rathauses kostenlos besichtigt werden. Die Ausstellung ist jetzt auch online verfügbar.

Auf den Spuren großer Frauen

Anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März und der Wiener Frauenwoche präsentiert der Wien Tourismus mit „14 Frauen, 14 Orte“  seinen bisher weiblichsten City Guide. Per Destinations-App „ivie“ können Interessierte den Spuren spannender Frauenbiographien folgen: Von der Entdeckerin der Kernspaltung bis hin zur Friedensnobelpreisträgerin und Komponistin. Mit dabei ist die jüdische Künstlerin und Bildhauerin Teresa Feodorowna Ries, zu deren Hauptwerken die Skulptur „Hexe bei der Toilette für die Walpurgisnacht“ zählt, die im Wien Museum zu sehen ist. Weitere starke Frauen sind u.a.: Lise Meitner (Bild ganz oben: Lise Meitner © Österreichische Zentralbibliothek für Physik u Fachbereichsbibliothek Chemie), Professorin für Physik, war maßgeblich an der Entdeckung der Kernspaltung beteiligt und hat an der Universität Wien promoviert. Vally Wieselthier gilt als Koryphäe der Keramik, ihre Werke mit charakteristischer Formensprache und avantgardistischem Ansatz sind im MAK ausgestellt. Auch Hedy Lamarr darf in der App nicht fehlen, sie arbeitete nicht nur als erfolgreiche Hollywood-Schauspielerin, sondern erfand auch eine Funkfernsteuerung für Torpedos, was sogar ihr Grab am Zentralfriedhof widerspiegelt. Rosa Mayreder kämpfte für mehr Frauenrechte, ihr Wohnhaus befindet sich im 4. Bezirk. Constanze Geiger war Komponistin und Konzertpianistin, mit zwölf Jahren komponierte sie den „Ferdinandus-Walzer“.