Jede dritte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexuelle Gewalt. Am 25. November startete die Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“. Die Autonomen Frauenhäuser (AÖF), die Wiener Volkshochschulen und viele andere Institutionen bieten während des Aktionszeitraums zahlreiche Veranstaltungen an.
Laut Statistik Austria hat jedes dritte Mädchen bzw. jede dritte Frau ab 15 Jahren in Österreich bereits körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Mehr als jede vierte erwachsene Frau wurde am Arbeitsplatz belästigt, mehr als jede fünfte erwachsene Frau wurde in ihrem Leben bereits Opfer von Stalking. Im Jahr 2024 wurden bis zum 25. November bereits 27 Femizide und 39 Fälle schwerer Gewalt gegen Frauen registriert. Beim überwiegenden Teil der Morde an Frauen bestand ein Beziehungs- oder familiäres Verhältnis – zum Beispiel Partner, Ex-Partner oder Familienmitglied – zwischen Täter und Opfer.
„16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ ist eine internationale Kampagne, die jedes Jahr von 25. November bis 10. Dezember stattfindet. Auf der ganzen Welt nützen Fraueninitiativen den Zeitraum vom Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (25. November) bis zum Internationalen Tag der Menschenrechte (10. Dezember), um auf das Recht auf ein gewaltfreies Leben aufmerksam zu machen und setzen Aktionen dazu. Österreich nimmt seit 1992 an der Kampagne teil.
Der 25. November erinnert als Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen an das Schicksal der Schwestern Mirabal, die 1960 vom dominikanischen Geheimdienst brutal ermordet wurden. Patria, Minerva und Maria Teresa, Symbole des Widerstands gegen den tyrannischen Diktator Trujillo, mussten nach Monaten der Verfolgung und Folter ihr Leben lassen. 1999 wurde dieser Tag von den Vereinten Nationen offiziell als Gedenktag anerkannt. Gewalt an Frauen ist nach wie vor eine der häufigsten Menschenrechtsverletzungen. Die UN-Kampagne „Orange The World“ macht während der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen auf das Problem aufmerksam. Dabei werden weltweit Gebäude orange beleuchtet, um ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen und das Thema zu enttabuisieren.
Am 27. November veranstaltet ZARA, der Verein für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit in Penzing einen Workshop der Bezirksvorstehung mit Schwerpunkt Gewalt gegen Frauen. Ebenfalls am 27.11. wird in der „Frauenhetz“ über die Kulturalisierung geschlechtsspezifischer Gewalt diskutiert. Dabei geht es auch um die Darstellung von geschlechtsspezifischer Gewalt als „importiertes“ Problem. Der Verein AÖF beteiligt sich auch 2024 an der Kampagne. Heuer steht u.a. die Ringvorlesung „Eine von fünf“ im Teaching Center der Medizinischen Universität Wien auf dem Programm. Am 2. Dezember findet im Rahmen des Netzwerks Klappe auf! ein Filmabend in Kooperation mit Tricky Women und der Brunnenpassage Wien statt.
Kino gegen Gewalt
Die Wiener Volksshochschulen veranstalten gemeinsam mit dem Urania Kino von 27. bis 30. November das Filmfestival „Stand Up! Speak out!“ in der Wiener Urania. Zu sehen sind dabei an jedem Tag zwei Filme, darunter Sophia Coppolas „Priscilla“ oder „Love Lies Bleeding“ mit Kristen Stewart, in dem es um Familientraumata geht. Die Hauptbücherei Wien nimmt heuer ebenfalls teil. Auf dem Programm stehen Ausstellungen, Veranstaltungen, Informationsstände, Workshops, Performances, Beratungen oder Buchpräsentationen. Die Stadt Wien startet rund um die Aktionstage mit der Podcast Serie Du bist nicht allein. Das Format soll auf Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten aufmerksam machen, die Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen sind, dabei helfen, sich aus einer Gewaltspirale zu befreien. Die fünf Folgen geben einen Einblick in Hilfseinrichtungen in Wien. Vom 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien über die Polizei bis hin zu den Wiener Frauenhäusern.