Wiener Wohnungsoffensive

Schreiner, Kastler Büro für Kommunikation – Architekturvisualisierung

In Wien steigt die Zahl der befristeten Mietverträge momentan rasant: Waren Verträge, die vor mehr als 20 Jahren mit privaten Vermietern abgeschlossen wurden, noch zu 93 Prozent unbefristet, sind es bei den in den vergangenen drei Jahren abgeschlossenen Verträgen nur noch 44 Prozent. Bei Neuvermietungen liegt der Anteil noch höher.

Immer mehr Wiener:innen geraten am privaten Mietsektor aufgrund befristeter Mietverträge unter Druck. Das zeigt eine aktuelle, von der Stadt Wien in Auftrag gegebene Studie, für die 500 Interviews mit ausgewählten Mieter:innen in privaten Mietwohnungen geführt wurden: Rund ein Drittel der Wiener:innen mit einem befristeten Mietvertrag weiß nicht, ob sie in ihrer Wohnung auch weiterhin bleiben dürfen. Rund 12 Prozent fürchten, dass sie nach Ablauf der Befristung wider Willen ausziehen müssen.

„Der hohe Anteil befristeter Mietverträge im privaten Mietsektor wird immer mehr zum Problem. Und bedeutet für viele Wienerinnen und Wiener eine enorme Belastung in ihrem Alltag“, betont Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál. Sie fordert eine dringend notwendige Reform des österreichischen Mietrechts. Ein Augenmerk bei einem neuen fairen System für Mieter:innen und Vermieter:innen müsse dabei auf der Neuregelung der Befristungsmöglichkeiten liegen. „Als soziale Hausverwaltung springt Wiener Wohnen da ein, wo der private Sektor Wohnraum nicht mehr nach fairen Bedingungen zur Verfügung stellt. Es ist daher sehr erfreulich, dass mit der aktuell laufenden Sonderaktion bereits hunderten Wienerinnen und Wienern dauerhaft geholfen werden konnte“, sagt Gaál.

Bereits über 200 neue Wohnung vergeben

Im Juli startete die Stadt Wien für Menschen mit auslaufenden privaten Mietverträgen eine Sonderaktion für einen erleichterten Zugang zu einer Gemeindewohnung. Die Aktion läuft noch bis Ende November und hat bereits jetzt vielen Betroffenen den Zugang zu einer neuen unbefristeten Gemeindewohnung ermöglicht und sie so vor einem drohenden Wohnungsverlust bewahrt.

Von den bislang 610 interessierten Wiener:innen haben bereits 219 einen unbefristeten Mietvertrag unterzeichnet bzw. stehen knapp vor der Vertragsunterzeichnung. Die restlichen Interessent:innen stehen noch im Auswahl- bzw. Besichtigungsprozess. Insgesamt öffnet die Stadt Wien im Rahmen dieser Aktion 1.000 Gemeindewohnungen mit 1 bis 3 Zimmern und unbefristeten Mietverträgen für Wienerinnen und Wiener, denen durch das Auslaufen ihrer befristeten Mietverträge der Verlust ihrer bisherigen Wohnung im privaten Mietsektor droht. Die Aktion läuft noch bis Ende November.

Endlich unbefristet wohnen

Das Angebot der Sonderaktion von Wiener Wohnen in Kooperation mit der Wohnberatung Wien richtet sich an alle Wiener:innen, die über einen befristeten Mietvertrag verfügen, der innerhalb der nächsten sechs Monate ausläuft und die eine 1- bis 3-Zimmerwohnung suchen. Im Rahmen der Aktion kommen auch Personen zum Zug, die ansonsten keinen Anspruch auf eine Gemeindewohnung haben, weil sie nicht alle Voraussetzungen für ein Wiener Wohn-Ticket mit „begründetem Wohnbedarf“ erfüllen. Die Wohnungsoffensive läuft noch bis Ende November – Anmeldungen sind darüber hinaus weiterhin möglich.

Für die Vergabe müssen einige Kriterien, analog zum Wiener Wohn-Ticket, aber dennoch erfüllt werden: Ein Mindestalter von 18 Jahren, zwei Jahre durchgehender Hauptwohnsitz an einer Wiener Adresse, österreichische Staatsbürgerschaft oder gleichgestellt. Außerdem gelten die Einkommenshöchstgrenzen nach dem Wiener Wohnbauförderungs- und Wohnhaussanierungsgesetz (WWFSG). Interessierte können sich bei Fragen direkt an die Wohnberatung Wien wenden und sich auf der Website der Wohnberatung Wien vorab informieren.