Wohin in Wien

Bex © Lara Brandner

Ausstellungen, Konzerte, Theater oder Film: Die Redaktion des Access Guide Magazins hat sich angeschaut, was im September in der Stadt los ist.

Tradition. Seit 1946 ist das Volksstimmefest ein fester Bestandteil der Wiener Kulturszene. Bis heute lockt es Jahr für Jahr tausende Besucher·innen auf die Jesuitenwiese im Wiener Prater, die seit 1947 der zentrale Veranstaltungsort ist. Das Fest ist offen für alle und ist mit seinem breiten Angebot für Jung und Alt für viele das schönste Fest Wiens. Trotz finanzieller Herausforderungen, vor denen das Fest ohne große Sponsoren und bei freiem Eintritt Jahr für Jahr steht – 2004 fiel das Fest aus – arbeiten viele Ehrenamtliche daran, das Volksstimmefest weiterzuführen. So bietet das Volksstimmefest auch heuer am 30. und 31. August ein vielfältiges Programm. Highlights am Samstag sind Vereter um 18:45, Halil Gürsü & Vienna Orient Project um 20:15, Robert Stadlober um 18:30 oder Bex (Bild oben © Lara Brandner) um 20:30. Musikalische Höhepunkte am Sonntag sind u.a. der Wiener Beschwerdechor oder Djaro & die anonymen Melancholiker um jeweils 20:30 Uhr. Das gesamte Programm gibt es hier.

Jan Philipp Gloger

Jan Philipp Gloger © Marcella Ruiz Cruz

Auftakt. Das Volkstheater feiert zum Spielzeitbeginn 2025/26 unter der neuen künstlerischen Direktion von Jan Philipp Gloger ein großes Eröffnungswochenende vom 12. bis 14. September: mit drei Premieren und einem Theaterfest im ganzen Haus mit u. a. einem Vintage-Kostüm-Flohmarkt, Schreib- und Theaterworkshops für Jung und Alt, aufregende Interventionen des neuen Ensembles und einem Konzert von Euroteuro. Am 12. September ist die Premiere von „Ich möchte zur Milchstraße wandern!“, „Weltuntergang“, „Astoria“, „Vineta“ und anderen Texten von Jura Soyfer: Seine Stücke spiegeln voller musikalisch-revuehafter Elemente und doppelbödigem Witz präzise ihre Zeit wider. Ursprünglich für politische Kabaretts verfasst, warnen sie vor den Gefahren des ungebremsten Kapitalismus, aufkommenden Nationalsozialismus, kämpfen gegen Ignoranz, Nationalismus, Geschichtsvergessenheit. Erst 26-jährig im KZ ermordet, rang Soyfer bis zuletzt leidenschaftlich darum, Gesellschaft zu verändern und trifft nun wieder erschreckend genau den Zustand unserer Welt. Am 14. September wird „Caché“ nach dem Film von Michael Haneke uraufgeführt und am 25. September findet die deutschsprachige Erstaufführung von Zak Zarafshans „The boys are kissing“ statt.

Filmstill To Close Your Eyes

Filmstill To Close Your Eyes

Zukunft. Beirut liegt in Schutt und Asche. Doch auch nach der Explosion im Hafen der Stadt, dreht sich die Welt weiter. Nur – wie räumt man Trümmer auf, hinter denen viel mehr als ein Unglück steckt? Und wie schöpft man neuen Glauben an eine bessere Zukunft? Der Film „To close your eyes and see fire“ ist ein dichtes Mosaik, das verschiedenste Menschen und deren Leben nach der Tragödie porträtiert: Eine Telefonistin, die beim städtischen Hilfetelefon arbeitet. Eine syrische Familie, die in einer Tiefgarage lebt und aus dem Land zu flüchten plant. Und eine Tänzerin und ein Maler, die ihr Schicksal auf künstlerische Weise zu verarbeiten versuchen. Zu sehen ist der Film z.B. im Stadtkino im Künstlerhaus. Trailer

Rückblick. In der großen Herbstausstellung der Albertina trifft ab 19. September Moderne auf Gotik. Im Fokus stehen Meisterwerke vom Symbolismus bis Expressionismus, die durch die emotionale Ausdruckskraft mittelalterlicher Kunst inspiriert sind. Die Ausstellung Gothic Modern zeigt wie der Rückgriff auf eine Kunst vor dem Beginn der akademischen Tradition eine kreative Neuausrichtung ermöglichte. Dabei werden Hauptwerke von Künstler·innen der Moderne versammelt und in direkte Konfrontation mit ikonischen Gemälden, Grafiken und Skulpturen Alter Meister gestellt.

Hugo Simberg, Der verwundete Engel, 1903 © Finnish National Gallery / Hannu Aaltonen

Hugo Simberg, Der verwundete Engel, 1903 © Finnish National Gallery / Hannu Aaltonen

Die großangelegte Themenausstellung beleuchtet anhand von rund 200 Werken eine Entwicklung in der Zeit von 1875 bis 1925, in der sich zahlreiche Kunstschaffende wie Paula Modersohn-Becker, Max Beckmann, Otto Dix, Vincent van Gogh, Gustav Klimt, Käthe Kollwitz, Edvard Munch, Egon Schiele oder Helen Schjerfbeck bewusst von der ausdrucksstarken Kunst eines Holbein, Dürer, Cranach oder Baldung Grien inspirieren ließen. Die Begegnung mit der mittelalterlichen Ästhetik rief große Gefühle hervor und eröffnete den Künstler·innen neue Wege, sich mit den grundlegenden Fragen des menschlichen Daseins auseinanderzusetzen.