Die Krise, der Kühlschrank und ich

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Momentan arbeitet die Redaktion des Access Guide Magazins vom Home Office aus. Im Projekt „Logbuch C“ schreiben wir gegen die Krise an und berichten einmal wöchentlich aus unserem Alltag daheim. Im vierten Teil der Serie erzählt Stella vom Leben im Lockdown-Modus:

„Uhh … das war zu viel Kaffee. Die ganze Nacht habe ich versucht zu schlafen, erst gegen Morgen ist es gelungen. Bin dann um Mittag aufgewacht und habe das Homeoffice eine Stunde später gestartet. Ich merke langsam, wie ich in meine alten Muster verfalle. Um gegen die Trägheit anzukämpfen, mache ich ein wenig Sport. Das hilft ein bisschen. Der Kurs, in den ich normalerweise gehe, fehlt mir. Vor allem vermisse ich es, anderen Menschen zu begegnen. Dabei konnte ich immer viel positive Energie tanken und die dann auch zuhause weitergeben.

Ich denke jetzt daran, endlich abzunehmen. Aber das wird schwierig. In meiner Familie sind alle essgestört und es belastet mich sehr andauernd hören zu müssen, wie jemand alle fünf Minuten zum Kühlschrank geht, um etwas zu futtern. Mein Vater ist stark übergewichtig und zählt damit zur Risikogruppe. Ich habe Angst, dass er sich mit dem Virus infiziert und stirbt. Ich wünschte, ich könnte ihm helfen.

Am Wochenende war ich zum ersten Mal draußen – einkaufen mit meinen Eltern. Die Sonne scheint, es ist angenehm. Aber meine Augen brennen höllisch. Ich bin das helle Tageslicht gar nicht mehr gewöhnt. Das kommt vom ständig drinnen sein.

Mir ist sehr langweilig. Ich schaue auf youtube Videos von Chinesen, die lebendige Tiere essen. Mich interessiert das wirklich, aber ich ekel mich auch dabei.

Ich trinke wieder zu  viel Kaffee. Wann schaff ich es endlich 60 Kilo zu erreichen?

Ich finde es eigentlich sehr gut, dass wir momentan nicht raus können. Um zu feiern oder fort zu gehen, wohin auch immer. Die Krise birgt auch Chancen: Wir verbringen viel Zeit damit, Dinge zu tun, die unser Leben nicht wirklich bereichern. Oft ist man damit beschäftigt, andere kennen zu lernen oder etwas zu tun, das man eigentlich nicht will, nur um bei der Gesellschaft dazuzugehören. Ich hab das Gefühl, dass Menschen meist vergessen, sich selbst besser kennen zu lernen um sich weiter zu entfalten.

Viele jammern immer, dass sie müde vom Leben sind. Jetzt haben sie die Möglichkeit sich auszuruhen und zu sich zu kommen. Sie haben nun Zeit, etwas zu verändern, auf den Grund zu gehen, zu merken, was sie wirklich so müde gemacht hat. Ist es tatsächlich die Arbeit? Ich glaube nicht. Man fühlt sich doch gut, wenn man etwas geschafft hat. Vielleicht liegt es ja eher am Freundeskreis? Am persönlichen Umfeld? Vielleicht sollte man diese Zeit positiver nutzen.

Die Welt kann endlich atmen. Es riecht viel frischer, als vor der Krise. Man kann mit der Familie zusammen sein. Wir brauchen aber keine negativen Menschen um uns herum, die uns nicht gut tun. Wir müssen uns nicht an die Gesellschaft anpassen, um dazuzugehören. Das Wichtigste ist, dass man sich selbst akzeptiert und sich selbst lieb hat. Dann werden es auch die anderen tun.

Ich finde es gut, dass alles geschlossen hat. So hat man Zeit um nachzudenken, was schlecht ist und was gut ist.“

Weitere Einträge im Logbuch C gibt es hier.