Filmstadt Wien

Riesenrad Pixabay

Vom „Dritten Mann“ zu „Mission: Impossible“: Die österreichische Bundeshauptstadt ist als Filmdrehort international begehrt. Und bietet zudem eine vielfältige Kinolandschaft und interessante Filmfestivals.

Das Riesenrad, das unterirdische Kanalsystem und die Zitherklänge von Anton Karas: „The Third Man“ („Der dritte Mann“) ist einer der bekanntesten Filme, in denen Wien eine Hauptrolle spielt. Das Meisterwerk des britischen Kinos aus dem Jahre 1949, nach dem Drehbuch von Graham Greene und unter der Regie von Carol Reed, zeigt auf ungeschönte Weise das zerstörte Wien der Nachkriegszeit. Heute gibt es in der Stadt ein eigenes Dritte Mann Museum sowie Führungen zu den Drehorten inklusive Abstieg in die Kanalisation. In den Wiener Untergrund führte 1973 auch der US-Agententhriller „Scorpio“, in dem sich Cross (Burt Lancaster) und Jean „Scorpio“ Laurier (Alain Delon) eine Verfolgungsjagd auf einer U-Bahn-Baustelle am Wiener Karlsplatz liefern. In „The Living Daylights“ (1987) mit Timothy Dalton als James Bond 007 werden am Riesenrad Küsse ausgetauscht und Fiakerfahrten durch den Schönbrunner Schlosspark unternommen. Geküsst wird auch in „Before Sunrise“ (1995) von Richard Linklater. Der Film zeigt die Liebesgeschichte zwischen dem Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) und der Französin Celine (Julie Delpy), die gemeinsam einen Tag und eine Nacht in der österreichischen Hauptstadt verbringen.

Wien ist als Filmkulisse besonders begehrt, wenn es um die Atmosphäre des Fin de Siècle geht. Für „Klimt“ (2006), Raoul Ruiz‘ Filmporträt des berühmten Wiener Jugendstil-Malers Gustav Klimt mit John Malkovich und Veronica Ferres, wurde z. B. im Café Central in der Innenstadt gedreht. In „A Dangerous Method“ (2011) von David Cronenberg essen Sigmund Freud (Viggo Mortensen) und C. G. Jung (Michael Fassbender) Sachertorte mit Schlag im Café Sperl und spazieren durch den Park des Belvedere. „Woman in Gold“ (2015, Regie Simon Curtis, mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Katie Holmes) über die US-Kunstsammlerin Maria Altmann und fünf Klimt-Gemälde aus dem Belvedere, die 2006 an sie restituiert wurden, zeigt u. a. Konzerthaus, Rathaus und Akademie der bildenden Künste. Wien war auch der Schauplatz einer Vielzahl von Folgen der beliebten Krimi-Serie „Kommissar Rex“, die in fast 50 Ländern weltweit ausgestrahlt wurde.

Eine der jüngsten internationalen Filmproduktionen in Wien waren die spektakulären Dreharbeiten für „Mission: Impossible – Rogue Nation“ (2015), bei denen Tom Cruise und seine Filmpartnerin Rebecca Ferguson in Abendgarderobe vom Dach der Wiener Staatsoper an der Ringstraße sprangen. Aber auch für Bollywood-Produktionen erfreut sich der Drehort Wien einer steigenden Beliebheit wie etwa für das Romantik-Drama „Ae Dil Hai Mushkil“ („Die Sehnsucht meines Herzens“), das 2016 herauskam.

Unvergessen sind die kitschig-schönen Wien-Sujets in den „Sissi“-Filmen (1955-57) des Wiener Regisseurs Ernst Marischka. Die legendäre Trilogie um Kaiserin Elisabeth mit der jungen Romy Schneider als Sissi und Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Filmproduktionen und zu den erfolgreichsten Filmen in deutschen und österreichischen Kinos. In Wien wurde z. B. die Hochzeitsszene in der Michaelerkirche gedreht, andere Szenen in den Wiener Rosenhügel-Filmstudios, mit imperialen Originalmöbeln als Requisiten. Diesem Film-Mobiliar widmet das Hofmobiliendepot. Möbel Museum Wien im 7. Bezirk eine eigene Dauerausstellung („Sissi im Film“).

Vienna Symphonic Library und Synchron Stage Vienna

In der ehemaligen Synchronhalle der Rosenhügel-Filmstudios im 23. Bezirk eröffnete 2016 mit der Synchron Stage Vienna einer der führenden Aufnahmeorte für Filmmusik-Produktionen und Orchester-Aufnahmen. Aufgrund ihrer herausragenden akustischen Eigenschaften ist die neue Wiener Synchronhalle den gegenwärtig führenden Scoring Stages in Los Angeles, London oder Berlin mindestens ebenbürtig. Parallel dazu wurde mit dem Synchron Stage Orchestra ein Ensemble aufgebaut, das den hohen Qualitätsansprüchen der Studios und Filmproduzenten gerecht wird. Betrieben wird die Synchron Stage Vienna von der Vienna Symphonic Library, einem auf die Entwicklung von Musiksoftware und Sample Libraries spezialisierten Wiener Unternehmen. Derzeit sind über drei Millionen Audio-Samples erhältlich, Musikschaffende wie Grammy-Preisträger James Newton Howard nutzen das hochwertige Angebot. Diese mit Abstand größte Ton-Datenbank macht die Vienna Symphonic Library zum Weltmarktführer in ihrem Segment.

Die Wiener Kinolandschaft

Ob großes Kinocenter oder kleines Filmtheater: Wiens Kinolandschaft ist erfreulich vielfältig. 1902 wurde das erste Kino im Prater eröffnet. Die 1905 gegründeten Breitenseer Lichtspiele im 14. Bezirk bezeichnen sich als „ältestes dauernd bespieltes Kino der Welt“. Wien kann mit rund 30 Kinos und knapp 26.000 Sitzplätzen aufwarten. Neben den meist auf Mainstream ausgerichteten Multiplex-Kinos existiert eine ganze Reihe anspruchsvoller Programmkinos. Einige davon sind historische Schmuckstücke mit Originalausstattung, etwa das 1960 errichtete Gartenbaukino an der Ringstraße mit beeindruckender Großleinwand und 736 Sitzplätzen. Es gilt als eines der schönsten Lichtspielhäuser Wiens und dient dem Filmfestival Viennale als zentrale Spielstätte.

Ebenfalls im Herzen der Stadt, nämlich im Gebäude der Albertina, befindet sich das 1964 gegründete Österreichische Filmmuseum, das gar kein Museum ist: Es zeigt als einzige Ausstellungsstücke Filme in seinem „Unsichtbaren Kino“. Der Kinosaal wurde vom Experimentalfilmer und Künstler Peter Kubelka komplett schwarz eingerichtet, so dass die Architektur zurücktritt und allein der Film dominiert. Darüber hinaus widmet sich das Filmmuseum der Sammlung, Konservierung und Restaurierung filmischer Werke und besitzt einen der weltweit wichtigsten Bestände zum Avantgardefilm.

Mit dem vom Filmarchiv Austria betriebenen Metro Kinokulturhaus wurde im Herbst 2015 eine weitere Pilgerstätte für Cineasten eröffnet. Neben dem Metro-Kino, einem wunderschönen einstigen Theatersaal, verfügt das Kinokulturhaus in der Innenstadt auch über ein kleines Studiokino. Das Filmarchiv Austria ist die zentrale Sammel- und Dokumentationsstelle für das audiovisuelle Kulturerbe Österreichs, seine Sammlungen reichen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart und umfassen neben Filmen, Filmprogrammen, Plakaten und Büchern auch eine umfangreiche Gerätesammlung.

Interessante Filme kann man in Wien an vielen schönen Orten genießen, etwa im Filmcasino mit seinem hinreißenden 50er-Jahre-Interieur, im nostalgisch-antiquierten Bellaria-Kino, im hippen Top- oder Schikaneder-Kino, im Burg-Kino, wo jeden Dienstag, Freitag und Sonntag „The Third Man“ in der englischen Originalfassung läuft, im Votivkino, im De France und einigen mehr. Viele Wiener Programm- und Arthouse-Kinos konnten sich dank eines feinen Gastronomieangebots und/oder einer Bar auch als Szenetreffpunkte etablieren. Gute Beispiele dafür sind die Bar im Schikaneder-, Top-, Gartenbaukino und im Filmmuseum sowie das Restaurant „Ludwig & Adele“ im Stadtkino im Künstlerhaus. In den meisten der genannten Kinos sind Filme in Originalversionen zu sehen. Das English Cinema Haydn und zum Teil auch das Burg-Kino haben sich auf englischsprachige Filme spezialisiert.

Festivals & Sommerkino

300 Spiel-, Dokumentar- und  Kurzfilme in 14 Tagen: Jedes Jahr Ende Oktober findet in der Wiener Innenstadt mit ihren schönen, komfortablen Kinos ein Festival mit urbanem Flair und internationaler Ausrichtung statt, mit zahlreichen Gästen aus dem In- und Ausland und unter Beteiligung von mehr als 94.000 BesucherInnen. Die Viennale ist Österreichs größtes internationales Filmevent und zugleich eines der akzentuiertesten Filmfestivals im europäischen Zusammenhang. Sie versucht, sowohl ein Publikumsfestival für eine breite, kinointeressierte Öffentlichkeit zu sein, als auch den Stand der internationalen Filmkultur auf hohem ästhetischen und politischen Niveau zu vermitteln und zur Diskussion zu stellen.

Der Sommer in Wien gehört den Open-Air-Filmfestivals. Im Juli und August wird der Rathausplatz zum Treffpunkt für Nachtschwärmer, die Kultur gern mit Kulinarik verbinden. Das Musikfilm-Festival serviert zu Musikfilmen von Klassik bis Pop bei freiem Eintritt köstliche Speisen und Getränke. Von Ende Mai bis Ende September zieht das beliebte Volxkino als Open-Air-Kino durch die Wiener Bezirke und bespielt als „Kino am Dach“ auch das Obergeschoss der Hauptbücherei am Gürtel. Und schon im Mai steht das Jüdische Filmfestival Wien auf dem Programm, das 14 Tage lang Spiel-, Dokumentar-, Kurz- und Animationsfilme mit jüdischer Thematik zeigt.

Service & Förderung

Die 2009 gegründete Vienna Film Commission ist für alle Filmschaffenden die zentrale Service- und Beratungsstelle in Wien. Als Einrichtung der Stadt unterstützt sie nationale und internationale Filmproduktionen bei Dreharbeiten in Wien. Sie hilft u. a. bei Ansuchen um Drehgenehmigungen sowie bei der Suche nach geeigneten Motiven, Locations und Servicepartnern in der Filmbranche. Darüber hinaus betreibt die Vienna Film Commission gezieltes internationales Lobbying für den Drehort Wien. Die Webseite www.viennafilmcommission.at bietet eine umfangreiche Motiv- und Branchen-Datenbank.

Vorrangiges Ziel des Filmfonds Wien ist es, Wien als Film- und Medienstandort sowie als Drehscheibe des internationalen Filmschaffens zu stärken. Die Filmförderungsstelle der Stadt Wien vergibt Zuschüsse für Projektentwicklung, Herstellung und Verwertung von Filmen. Die eingereichten Projekte werden nach ihrer kulturellen, künstlerischen und filmwirtschaftlichen Bedeutung für Wien beurteilt. Die Stadt Wien finanziert den Filmfonds Wien mit rund 11 Millionen Euro jährlich.

Adressen:

Dritte Mann Tour

Dritte Mann Museum, Pressgasse 25, 1040 Wien

Hofmobiliendepot. Möbel Museum Wien, Andreasgasse 7, 1070 Wien

Synchron Stage Vienna, Engelshofengasse 2, 1230 Wien

Vienna Symphonic Library, Engelshofengasse 2, 1230 Wien

Breitenseer Lichtspiele, Breitenseer Straße 21, 1140 Wien

Gartenbaukino, Parkring 12, 1010 Wien

Österreichisches Filmmuseum, Augustinerstraße 1, 1010 Wien

Metro Kinokulturhaus, Johannesgasse 4, 1010 Wient

Filmcasino, Margaretenstraße 78, 1050 Wien

Stadtkino im Künstlerhaus, Akademiestraße 13, 1010 Wien

Bellaria-Kino, Museumstraße 3, 1070 Wien

Topkino, Rahlgasse 1, 1060 Wien

Schikaneder-Kino, Margaretenstraße 24, 1040 Wien

Burg-Kino, Opernring 19, 1010 Wien

Votivkino, Währinger Straße 12, 1090 Wien

De France, Schottenring 5, 1010 Wien

Viennale

Musikfilm-Festival, Rathausplatz, 1010 Wien

Volxkino

Jüdisches Filmfestival Wien

Vienna Film Commission, Karl-Farkas-Gasse 18, 1030 Wien

Filmfonds Wien, Mariahilfer Straße 76/1/10, 1070 Wien

Wien Tourismus