Fit für den Job

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In Wien gibt es mehr als 18.000 Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Die Zielgruppe setzt sich aus Menschen zusammen, die vorübergehend oder auch langfristig eine Beeinträchtigung haben. Das Projekt Access Guide, das aus Mitteln des Sozialministeriumservice im Rahmen der beruflichen Rehabilitation gefördert wird, leistet hier seit 2 Jahren einen wichtigen Beitrag zu einer barrierefreien und vielfältigen Gesellschaft. Die Access Guide-Suche ist ein Internetportal, das über barrierefreie Angebote einfach und übersichtlich informiert und somit beeinträchtigten Menschen eine Hilfestellung im Alltag bietet. Die dafür notwendigen Daten werden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Projekts „Eranos – Individuelle Berufliche Rehabilitation“ recherchiert. Das Besondere daran ist, dass diese TeilnehmerInnen selbst mit gesundheitlichen Problemen und Beeinträchtigungen zu kämpfen haben. „Im Arbeitstraining des Access Guide werden Geschäftslokale, Restaurants oder öffentliche Gebäude im Hinblick auf ihre Barrierefreiheit vor Ort – natürlich in Absprache mit den Unternehmen – untersucht: Dazu zählen die Beschaffenheit der Eingänge, mögliche Engstellen oder die Barrierefreiheit der Sanitäranlagen, Aufzüge und Plätze. In Absprache mit der Geschäftsleitung wird dann ein Profil im Access Guide angelegt“, erklärt Access Guide Projektleiter Harald Stülpnagel. Davon profitieren einerseits die Unternehmen selbst, weil sie sich als barrierefrei präsentieren können, aber auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts Eranos.

Ein zentraler Punkt des Arbeitstrainings ist der soziale und sinnstiftende Aspekt: „Wenn Menschen mit Beeinträchtigung etwas für andere Menschen, denen es ähnlich geht, machen können, ist das eine unheimlich wertvolle Erfahrung“, bringt es Manuela Schagerl auf den Punkt. Sie ist die Initiatorin der Projekte und Geschäftsführerin der Phönix Project Beratungs GmbH, der Träger-Organisation von Access Guide und Eranos. „Außerdem war uns wichtig, dass wir den Menschen die Möglichkeit bieten können verschiedene Berufe auszuprobieren. Wenn man sich aufgrund einer gesundheitlichen Einschränkung in einem Umorientierungsprozess befindet, ist die Unsicherheit mehrfach gegeben, sowohl was die gesundheitliche Leistungsfähigkeit anbelangt, als auch die Wahl des neuen passenden Berufes. Hier hilft es sehr, wenn man die Tätigkeit vorher ausprobieren und seine Belastbarkeit steigern konnte, bevor man sich in einem Praktikum oder Dienstverhältnis beweisen muss“, erklärt Schagerl.

Dass die Förderung und das Üben der Sozialen Kompetenz und der Stressresistenz besonders für Menschen mit psychischen Problemen wichtig ist, wissen Sascha Gründel und Karl Schöndorfer, die sozialpädagogischen Betreuer von Access Guide. „Unsere TeilnehmerInnen lernen, dass das Arbeiten, wenn alle an einem Strang ziehen, auch Spaß machen kann und sehr motivierend ist. Wir sehen unser Arbeitstraining als ersten, wichtigen Schritt der TeilnehmerInnen in Richtung Arbeitsmarkt. Wir wollen die TeilnehmerInnen motivieren, wieder Lust und Mut zu bekommen in den Arbeitsmarkt einzusteigen“, sagen Schöndorfer und Gründel.

Den positiven Effekt des Arbeitstrainings bestätigen auch ehemalige TeilnehmerInnen, darunter Hans P.*: „Ich habe seit kurzem einen Job in der Gastronomie, der mir sehr viel Freude bereitet. Das Arbeitstraining hat mir auf meinem Weg sehr geholfen: Ich konnte ohne Druck aber mit Rückendeckung des Betreuungsteams arbeiten. Das hat mein Selbstbewusstsein gestärkt. Ich habe auch gelernt, mich von meiner besten Seite zu präsentieren und übernehme jetzt im „echten“ Job auch zusätzliche Aufgaben freiwillig. Selbstverantwortlich zu arbeiten macht mir immer mehr Spaß.“ Amir S.* hat ebenfalls durch den geschützten Raum des Arbeitstrainings profitiert: „Momentan mache ich ein Praktikum im Einzelhandel und es schaut so aus, als könnte daraus eine Fixanstellung werden. Durch das Arbeitstraining bin ich flexibler und offener geworden. Ich habe gelernt mich unabkömmlich zu machen. Und das wird geschätzt.“

Anna O.* konnte nach einer schweren, persönlichen Krise auch wieder in der Arbeitswelt ankommen: „Ich bin jetzt mutiger und selbstbewusster und ich habe gelernt auf mich zu achten. Das Spannende für mich war, dass ich im Arbeitstraining praktisch und bei echten Arbeitstätigkeiten gelernt habe, dass es kein Widerspruch ist, auf meine Grenzen aufzupassen UND gleichzeitig eine gute Arbeitsleistung zu bringen.“

* Namen von der Redaktion geändert.