Richtig gut essen

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Obwohl wir alle meist ziemlich genau wissen, welche Lebensmittel und Getränke uns helfen und welche uns schaden, weichen unsere Ernährungsgewohnheiten nicht selten vom gesunden Pfad ab. Die Redaktion des Access Guide Magazins hat Eranos-Teilnehmer:innen gefragt, wie und was sie essen, ob sie Erfahrungen mit Diäten haben, worauf sie beim Essen und Trinken leicht verzichten können und wobei sie schwach werden.

Elvira*: Ich bin stark übergewichtig und muss zugeben, dass meine Ernährungsgewohnheiten leider schlecht sind, ich versuche dreimal am Tag zu essen: In der Früh, mittags und abends. Ich habe schon unzählige Diäten ausprobiert. Die alle aufzuzählen, würde zu lange dauern. Einfacher wäre es, jene zu erwähnen, die ich noch nicht gemacht habe. Also mir fehlen eigentlich nur noch die Keto-, und die Sauerkraut-Diät, aber wer weiß – es kommen ja ständig neue dazu! Inzwischen habe ich begriffen, dass Abnehmen nur mit einer konsequenten, dauerhaften Ernährungsumstellung gelingt. Das Problem ist, mir schmeckt das gesunde Zeug nicht. Da krieg ich die Krise. Außerdem esse ich immer wieder auch, um mich zu beruhigen, oder Frust abzubauen. Gelingt es mir einmal, essenstechnisch halbwegs diszipliniert durch den Tag zu kommen, passiert es nicht selten, dass ich mitten in der Nacht aufstehe und alles in mich reinfuttere, was ich im Kühlschrank finde. Es ist zermürbend. Dabei wäre ich gerne ein Top-Model mit 1,80 und Kleidergröße 34. Ich glaube, ich hätte es im Leben dann auch leichter.

Michaela*: Mein Essverhalten würde ich als „normal“ bezeichnen. Von Diäten halte ich gar nichts, als Jugendliche habe ich ab und zu eine probiert, das war damals in Mode. Es gab da alle möglichen Blitzdiäten. Da waren die überschüssigen Kilos dann zwar rasch weg, aber genauso schnell wieder da. Den berühmten Jo-Jo-Effekt habe ich unzählige Male selbst an mir beobachten können. Aus medizinischer Sicht bin ich normalgewichtig, mein BMI liegt bei 25. Das entspricht aber nicht dem Schönheitsideal, dass über Werbung und soziale Medien propagiert wird. Als Frau ist man dem viel zu stark ausgesetzt. Zum Glück ist es mir gelungen, mich an mein „Wohlfühlgewicht“ zu gewöhnen, ich finde mich ok. Ich will auch nicht zu viel übers Essen nachdenken, was bei Diäten zwangsläufig passiert. Das Phänomen habe ich auch schon in meinem Freundeskreis beobachtet. Menschen, die dazu neigen zu viel zu essen, kaschieren das dann mit ausgiebig zelebriertem Essen – aber nicht jedem Gourmand gelingt es, ein Gourmet zu werden. Mein langfristigen Ziel ist es, mein Gewicht zu halten und mich gesund zu ernähren. Man darf nicht vergessen, dass zu viele Kilos ja auch ein echtes Gesundheitsrisiko darstellen. Ab einem gewissen Gewicht ist „Body Positivity“ tatsächlich riskant.

Ingmar*: Ich versuche sehr auf ausgewogene Ernährung zu achten. Die schaut bei mir so aus: Zum Frühstück gibt es Kaffee und ein vegetarisches Sandwich. Mittags esse ich z.B. gerne selbstgemachte Spaghetti Bolognese mit Parmesan und grünem Salat. Am Nachmittag esse ich ein Joghurt mit Früchten oder Nüssen. Auf das Abendessen verzichte ich meistens. Wenn ich abends was esse, dann was Leichtes wie Salat oder Paradeiser mit Mozzarella … Ich verzichte gerne auf Fleisch, das fällt mir leicht, weil ich es eigentlich nicht mag. Ich bin der lebende Beweis dafür, dass nicht alle Männer von Geburt an „Karnivoren“ sind. Auch das Klischee vom männlichen Bier-Aficionado trifft auf mich nicht zu. Am liebsten trinke ich Wasser, manchmal auch ein Cola. Nicht verzichten kann ich auf Naschsachen, wie Schokolade oder Weingummi. Im Großen und Ganzen bin ich mit meinem Körper zufrieden. Ich würde aber gerne meine Fitness verbessern und gehe deshalb ins Fitnesscenter. Und ich gehe sehr viel zu Fuß, weil ich dabei auch meine Seele auslüften kann.

Laszlo*: Ich muss gestehen, dass ich ein Binge-Eater bin. Leider. Das sieht man an meinem Übergewicht. Allerdings ist es mir in den vergangenen zwei Jahren gelungen, an einer langsamen Reduktion meines Gewichts zu arbeiten. Ich praktiziere Intervallfasten. Das funktioniert so: Ich esse zwölf Stunden gar nichts und nehme – außer Wasser und Kräutertees auch keine Getränke zu mir. Während der nächsten zwölf Stunden kann ich essen, was ich will. Das ist allerdings gar nicht so leicht. Mir schmecken bedauerlicherweise nur ungesunde Sachen: Weißbrot, Wurst, Schokolade, Fertigpizza und Fastfood-Burger oder dergleichen. Der Gewichtsverlust geht also nur sehr langsam voran. Ich bin blöderweise süchtig nach Junkfood. Mir wurde gesagt, dass das beste Mittel gegen Sucht, Genuss ist. Das leuchtet ein. Ich muss mich nur noch umprogrammieren, nämlich so, dass ich Lust auf gesunde Sachen habe. Ich bin – was mir viele Ärzte gar nicht glauben – auch ziemlich sportlich. Ich schwimme regelmäßig und mache gern lange Spaziergänge. Was ich als sehr verletzend empfinde, sind die Vorurteile, denen ich aufgrund meines Gewichts ständig ausgesetzt bin: Viele Menschen halten mich für faul und schwach, nur weil ich dick bin. Dabei stimmt das gar nicht.

*Namen geändert