Ausstellungen, Konzerte, Theater oder Film: Die Redaktion des Access Guide Magazins hat sich angeschaut, was im Oktober in der Stadt los ist.
Vampirkomödie. Jahrhunderte nach ihrem mysteriösen Verschwinden taucht die Blutgräfin (Isabelle Huppert) im heutigen Wien wieder auf. Der Legende nach ist sie eine der fleißigsten Vampirinnen des 16. Jahrhunderts, die sich reihenweise Dienstmädchen schmecken ließ. Gemeinsam mit ihrer treuen Zofe Hermine (Birgit Minichmayr) versucht sie, ein gefährliches Buch aufzuspüren, das die Macht besitzt, alles Böse zu vernichten – einschließlich Vampire. Doch auch die Konkurrenz ist hinter dem Buch her: eine Allianz aus Vegetariern und Ordnungsmächten will sie und ihre Wiener Vampir-Bande dingfest machen. Und ein Kongress kleingeistiger Geisteswissenschaftler plant gar die Analyse der „Identität der Vampire im Zeitalter ihrer digitalen Reproduzierbarkeit“. Als Untersuchungsgegenstand jedoch taugt die Blutgräfin nicht, lieber begibt sie sich selbst auf Schnitzeljagd entlang der prächtigen historischen Orte Wiens. Zwei Vampirforscher und ein Polizeiinspektor sind ihnen dicht auf den Fersen durch gesellige Gruften, über Friedhöfe und auf Riesenräder: überall sind Spuren zu entziffern, die zum Buch der Bücher führen. Die morbide Welt des alten Wiens – eine Bibliothek unendlicher Möglichkeiten. Die Blutgräfin von Regisseurin Ulrike Ottinger ist ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Neben Isabelle Huppert spielen zu Höchstform auf: Birgit Minichmayr, Thomas Schubert, Lars Eidinger, Conchita Wurst, Karl Markovics und viele mehr. Zu sehen ist der Film ab Ende Oktober z.B. im Votivkino. Trailer. Bild oben: Die Blutgräfin Still © Amour Fou/Petro Domenigg

Francis Bacon, Drei Studien der Isabel Rawsthorne, 1967 © The Estate of Francis Bacon, Wien und DACS, London 2026
Extreme Körper. In einer spannungsvollen Gegenüberstellung zeigt die Albertina bis Ende Jänner 2027 eine großangelegte Schau von Pablo Picasso und Francis Bacon. Beide Künstler rückten die menschliche Existenz ins Zentrum ihrer Bildwelt. Beide beschäftigte der menschliche Körper – zerrissen, neu zusammengesetzt und mit radikaler Kraft neu erfunden. In ihren verzerrten Darstellungen zeigen sie Schmerz, Begierde und Verletzlichkeit. Für Bacon wird eine Reise nach Paris im Jahr 1927 zum Erweckungserlebnis. Eine Ausstellung von Picassos Werken vermittelt dem 17-jährigen Bacon, „wie es sich anfühlt, ein Mensch zu sein“. Er möchte auch Künstler werden. Diese erste Begegnung mit dem innovativsten figurativen Künstler des 20. Jahrhunderts prägt Bacon für den Rest seines Lebens. Er wird für die zweite Jahrhunderthälfte das, was Picasso für die erste war: ein Spiegel der modernen Seele und der menschlichen Katastrophe zweier Weltkriege. 1962 lässt Picasso ihn wissen, sein Werk habe ihm „gefallen – einiges davon sehr“. Die Ausstellung vereint zwei eigentlich solitäre Giganten der figurativen Kunst: Picasso, virtuoser Zeichner, ist ganz in der Moderne und Überwindung akademischer Normen verhaftet. Bacon, Autodidakt, bereitet seine in Format, dunkler Lichtstimmung und Duktus geradezu altmeisterlichen, aber auch den Zufall mit einbeziehenden Gemälde akribisch vor.

Unter Tieren, Azaria Dowuona-Hammond © Arno Declair
Fassungsloser Sarkasmus. Die Menschheit scheint abgeschafft. In Elfriede Jelineks neuem Stück Unter Tieren kommen statt ihrer andere zu Wort: Bär und Kuh, Ratte und Schwein, Dachs, Delphin, Taube und viele weitere. Auch „Der Bärenkalauer“, das „Lamm Gottes“ sowie das „Für und Widder“ betreten die Bühne. Sie alle blicken auf etwas zutiefst Menschliches: den Kapitalismus und seine Mechanismen. Fassungslos und mit wachsendem Sarkasmus folgen Tiere den Spuren des Geldes: von Bibel bis Benko, von SV Mattersburg zu Sigi Wolf – Geld regiert die Welt und mittlerweile auch das All. In Kooperation mit den Salzburger Festspielen bringt Regisseur Nicolas Stemann gemeinsam mit einem spielwütigen Ensemble den Text auf die Bühne des Burgtheaters.
Griaßkoch und Kaviar. Eingängige Melodien, mitreißende Rhythmen und stilistische Grenzgänge, die sich nur schwer in bekannte Schubladen einordnen lassen: Benedikt Fehringers Musik ist so vielschichtig und wandelbar wie er selbst als Musiker. Mit seinem Projekt Fehringer’s Kalte Küche begibt sich der Trompeter, Flügelhornist und Komponist auf eine musikalische Genussreise rund um die Welt. Ausgehend von seiner eigenen Verwurzelung in der alpenländischen Volksmusik verbindet Fehringer Einflüsse aus Pop, Jazz, französischem Chanson, Klezmer, Latin und irischer Fiddle Musik zu eigenständigen Kompositionen voller Spielfreude und musikalischer Neugier. Gemeinsam mit seinen „Souschefs“ Antonia Moschén, Thomas Zahel, Elias Zahradnik, Alex Putz und Teresa Müllner serviert er dem Publikum musikalische Leckerbissen mit viel Charme und überraschenden Würzungen. Das Konzert findet am 7. Oktober 2026 um 19:30 Uhr in der Sargfabrik statt. Youttube