Im jüngsten Schreibworkshop des Access Guide Magazins waren die Teilnehmer·innen* Ando, Goji, Copycat, Impala und Rexi in Alterlaa unterwegs. Dabei haben sie den Blick abwechselnd nach außen und nach innen gerichtet.
Ando: Ich sehe die Welt um mich herum, aber manchmal fühlt es sich an, als würde ich sie nur von außen betrachten. Ich sehe Menschen, die glücklich ihre Wege gehen und frage mich, ob sie sich innerlich genauso verloren fühlen wie ich manchmal. Ich sehe meine eigenen Fehler und Zweifel, jedoch tue ich nichts dagegen, das tut weh. Ich sehe die Uhr und fühle, wie schnell die Zeit vergeht, während ich manchmal selbst das Gefühl habe, auf der Stelle zu stehen. Ich sehe Menschen, die ihre Wege gehen, während ich meinen noch suche.
Copycat: Ich sehe ein Billa-Plakat. Ich fühle mich schlecht, weil es mich daran erinnert, wie teuer Lebensmittel geworden sind. Ich sehe ein Absperrband. Ich fühle mich toll, weil ich mich dem System widersetze. Ich sehe einen Bus. Ich fühle mich seltsam, weil es mich an Gedränge erinnert. Ich sehe ein Motorrad. Ich fühle mich nostalgisch, weil ich von einer Harley träume. Ich sehe Bäume. Ich fühle mich angenehm, so viel Grün zu sehen. Ich sehe ein Apothekenschild und bin verwirrt, dass manche Drogen legal sind und manche nicht. Ich sehe ein gelbes Auto. Ich fühle mich geschlagen.
Impala: Eine Betontreppe angelegt für Schilf und andere kleine Sträucher, die inmitter von großen Kieselsteinen wachsen. Ich frage mich, ob die Steine bereits von Anfang an dagewesen sind, ob erst sichergestellt wurde, dass die Saat auch wächst, oder ob die Pflanzen sowieso als Ganzes eingetopft wurden. Ein großer Ahornbaum ragt über die Fenster des Wohnblocks bis hinauf zum Dach. Seine Äste sind prächtig, dennoch lösen sie vor dem Hintergrund des modernen, aber doch etwas abgenutzten Gebäudes Melancholie in mir aus. Es mag die Musik sein, trotzdem passen Fenster und Baum nicht so recht zusammen. Auf einem Schild steht „Blackforge – geschaffen für Sicherheit, gemacht für Bestand“. Schwer auszumachen, was die Firma genau produziert. Werkzeug? Erinnert mich daran, dass ich als Kind Schmied werden wollte. Rote Vorhänge, schmutziges Weiß, helles Grün, das langsam in ein Braun übergeht. Der Herbst steht vor der Tür. Wie gern lass ich ihn herein, in der Hoffnung, er möge nie enden. Nichts ist schöner als totes Laub, leuchtend rote, orange und braune Kronen. Kalter Wind, feuchte Erde.
Rexi: Ich sehe die Alterlaaer-Bauten. Ich spüre die Angst und mein Zittern, als ich hier arbeiten war. Ich sehe den „Kilimanjaro“ Ich erinnere mich an die Erfolge meines Klienten. Ich sehe den 66A. Und erinnere mich an meine Puff-Klientin. Ich sehe die Busstation Alterlaa. Ich erinnere mich, als ich mit angebrochen Rippen um fünf Uhr früh geraucht habe. Ich sehe die U6. Ich denke an vergangene Tage und Nächte, in denen ich wach war. Ich sehe Autos. Ich werde wütend wegen der Umwelt und Menschheit. Ich sehe die Herbstblätter am Boden. Erinnerungen, die einen Hauch von Melancholie haben, schießen ein.
Goji: Entlang der Straße: Mehrere Farben sind sichtbar, aber nicht im übertönenden Sinne. Hängematten in verschiedenen Designs und Farben. Auch Spielplätze vorhanden. Es gibt mehrere Verbindungen zu dem benachbarten Weg, im Plaza-Stil. Zäune und Wände an der Erhebung, wo die U6 entlangfährt, sind ebenfalls sehr positiv bunt. Meine Gefühle dazu (und generell zurzeit): Ich spüre ein hohes Maß an Freude, wenn ich all das sehen kann (Architektur, Infrastruktur). Relativ angenehmes Ambiente präsent. Die Geräusche sind ebenfalls wohltuend, auch wenn sie nur rar sind. Frohe Gesichter von Groß und Klein gehen manchmal vorbei, z.B. zur Station Erlaaer Straße. Im Moment fühle ich mich deshalb ganz entspannt.
*Namen geändert.