Hoffen statt fürchten

Pexels Cottonbro

In Österreich leben rund 170.000 Menschen mit Demenz, Tendenz stark steigend. Viele von ihnen werden von Angehörigen begleitet und betreut. Anlässlich des heutigen Welt-Alzheimertages machen zahlreiche Organisationen auf den wachsenden Bedarf an Unterstützung und Entlastung aufmerksam.

„Demenz ist eine Herausforderung, die die meisten Menschen irgendwann einmal betrifft – sei es, weil man selbst erkrankt oder jemand aus dem Freundeskreis oder familiären Umfeld. Als Fonds Soziales Wien tragen wir Verantwortung dafür, dass die Pflege- und Betreuungsangebote in Wien bedarfsgerecht weiterentwickelt werden“, sagt FSW- Geschäftsführerin Susanne Winkler. Ziel sei „den Menschen je nach ihrer individuellen Lebenssituation ein möglichst selbstbestimmtes Leben und gute Betreuung zu ermöglichen.“ Gleichzeitig spiele Beratung und Aufklärung eine zentrale Rolle. Laut einer aktuellen Studie haben 82% der Wiener·innen Sorge, ihrer Familie im Falle einer Erkrankung zur Last zu fallen.

Als Sozialhilfeträger der Stadt Wien gestaltet der FSW die städtischen Pflege- und Betreuungsangebote bedarfsgerecht und setzt dabei seit Jahren einen strategischen Schwerpunkt auf Demenz. Demenz betrifft aber nicht nur die FSW-Kund·innen im Bereich Pflege und Betreuung, sondern maßgeblich auch pflegende An- und Zugehörige. Neben Unterstützungsangeboten für diese Zielgruppe klärt der FSW mit zahlreichen Informationsangeboten zu Demenz auf. Noch bis 1. Oktober wird dazu ein Animationsfilm auf den Infoscreens der Wiener Linien gezeigt. Der Film informiert niederschwellig über Demenz und einen verständnisvollen Umgang im Alltag. Die Kurz- und Langversionen sind in vier Sprachen verfügbar: Deutsch, Englisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Türkisch.

Ausgezeichnetes Kaffeehaus

Auch die Caritas machte heute auf den wachsenden Bedarf an Unterstützung und Entlastung aufmerksam. Eine besondere Anerkennung erhielt in diesem Zusammenhang das Café Zeitreise: Das Angebot für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen wurde vor kurzem mit dem Wiener Gesundheitspreis in der Kategorie „Gesund in Grätzel & Bezirk“ mit dem dritten Platz ausgezeichnet und erhält mit Jänner 2027 einen neuen Standort im Wien Museum. Das seit über zehn Jahren bestehende Angebot unterstützt Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen durch Begegnung, Austausch und gesellschaftliche Teilhabe. „Diese Auszeichnung ist eine große Anerkennung für unser Café Zeitreise und für alle Menschen, die dieses Angebot seit vielen Jahren mit Leben füllen. Demenz bedeutet nicht nur für die betroffenen Menschen selbst große Veränderungen und Sorgen, sondern auch für ihre Familien und Angehörigen. Umso wichtiger sind Orte, die Begegnung ermöglichen und zeigen: Niemand muss mit dieser Situation allein bleiben“, sagt Caritasdirektor Klaus Schwertner.

 Hören und verstehen

Die Volkshilfe Österreich macht zum Welt-Alzheimertag auf ihren Podcast Trotz Demenz aufmerksam. Damit bietet die Volkshilfe einen praktischen Ratgeber und gleichzeitig ein Sprachrohr für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. „Gerade pflegende Angehörige haben im Alltag oft Stress und sind mit zahlreichen Aufgaben konfrontiert. Da bleibt meist keine Zeit lange Broschüren oder Webseiten zu studieren. Ein Podcast, den man nebenbei beim Frühstückskaffee hören kann, ist da eine einfache Möglichkeit mehr über die Krankheit und die vielen Unterstützungsmöglichkeiten zu erfahren“, so Teresa Millner-Kurzbauer, Bereichsleiterin Pflege bei der Volkshilfe Österreich, zur Entstehungsgeschichte des Podcast. Aktuell geht der Podcast in seine 5. Staffel. Dieses Mal wird über juristische Fragen und Vorsorge im Alter gesprochen, Demenzbotschafterin Johanna Constantini verrät etwas über ihr neues Mutmacher-Buch “Angehörige leben länger” und eine Kinderbuchautorin erzählt, wie man Kindern Demenz erklären kann. Darüber hinaus gibt es auch viele praktische Informationen zu Unterstützungsangeboten. Hörbar ist der Podcast auf allen gängigen Podcast-Plattformen.