Gott macht Urlaub

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Momentan arbeitet die Redaktion des Access Guide Magazins vom Home Office aus. Im Projekt „Logbuch C“ schreiben wir gegen die Krise an und berichten einmal wöchentlich aus unserem Alltag daheim. Im sechsten Teil der Serie denkt Rosa über Weltverbesserung nach.

„Ich habe eine Angsterkrankung und deshalb macht mir die ganze Situation besonders zu schaffen. Ich gehe einkaufen und merke, dass man den Sicherheitsabstand von einem Meter kaum einhalten kann, was mich fertig macht, aus Angst vor Ansteckung. Ich habe mir immer schon große Sorgen um meinen Gesundheitszustand gemacht, jetzt ist es natürlich noch viel schlimmer. Ich bin froh, dass ich meine Gedanken aufs Papier bringen kann und ich bin auch froh darüber, jetzt im Home- Office zu sein, denn schließlich bringt mich das doch auf andere Gedanken und die Angst kann mich nicht so überrollen, wie sie es sonst so gerne tut.

Wie soll das Alles weitergehen? Wir haben über Gott gesprochen, ich glaube nicht, dass Gott so etwas gewollt hat. Ich glaube vielmehr, dass wir Menschen selbst dafür verantwortlich sind. Damit meine ich jeden einzelnen von uns, auch mich. Ich träume von Weltverbesserung. Ich muss erst mal bei mir anfangen, jeder einzelne Mensch ist dazu aufgerufen, etwas zu tun, aber aus Bequemlichkeit tun wir nicht viel.

Man kann auch mit niemanden darüber reden, weil die meisten Menschen ja gar nicht darüber reden wollen. Ich verstehe das auch, denn ich würde es auch am liebsten verdrängen und sobald ich die Möglichkeit habe, verdränge ich es auch. Doch manchmal gibt es dann die Momente, so wie jetzt, wo man sich nicht mehr ablenken kann. Dabei würde ich so gerne für meine Freunde da sein, aber wie soll ich das schaffen, wenn ich momentan so „scheiße“ drauf bin? Für mich ist es wichtig, mir diese Gedanken von der Seele zu schreiben, denn manchmal hilft das, ich hoffe auch mir und vielleicht meinen Freunden, denen ich das empfehlen kann, sollte es ihnen wieder mal schlechter gehen und sie sich genauso schwertun wie ich mit Ablenkung.

Momentan ist es wirklich eine harte Zeit, die mich sehr deprimiert und mich sehr traurig macht! Am liebsten würde ich nur heulen, aber auch meine Tränen würden nichts an der Tatsache ändern, dass das Ganze jetzt so ist, wie es eben ist!

Leider habe ich schon von Haus aus wenig soziale Kontakte, aber jetzt durch die Krise ist das Ganze noch unerträglicher, da man keinen Menschen treffen darf. Soziale Kontakte darf ich nicht treffen, aber mich selbst darf ich sehr wohl in Gefahr bringen, in dem ich einkaufen gehe und mich von den Menschenansammlungen niederrennen lassen muss! Ich finde das alles so dermaßen widersprüchlich, vielleicht fehlt mir auch jede Logik dazu, ich weiß es nicht!

Im Radio wird darüber gesprochen, wir können das auch als Chance sehen, die Menschen würden sich verändern und wir werden nicht mehr so hektisch danach sein. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, ich glaube nicht an das Wunder. Denn entweder war man vorher ein guter Mensch und ist es danach auch, oder man war nie ein guter Mensch und wird es auch nicht werden. Was die Hektik betrifft, der Mensch ist ein Rudeltier und er lässt sich von seiner Herde mitziehen. Es wird wieder so werden. Möge es zwei Wochen besser sein, aber der Mensch vergisst viel zu schnell, manchmal ist das sogar gut, aber in solchen Zeiten sollten wir uns doch bewusst sein, das Liebe, Freundschaft und Gesundheit das höchste Gut auf Erden sind“.