Seit mehr als 25 Jahren wird am Areal der Klinik Hietzing Gartentherapie praktiziert. Begonnen hat alles im Geriatriezentrum, damals noch zur Aktivierung von alten Menschen und im Anschluss zur Arbeit mit geflüchteten Menschen, die am Klinikgelände untergebracht waren.
Seit 2020 haben auch Patient·innen in psychiatrischer Behandlung von Pavillon 1 Zugang zum angrenzenden Therapiegarten. Dieser bietet nicht nur Raum für individuelle Genesung, sondern versteht sich durch seine offene Gestaltung auch als inklusiver Begegnungsort für Patient·innen, Mitarbeitende und Besucher·innen.
Die Wirkung gartentherapeutischer Aktivitäten auf Patient·innen mit schweren psychischen Erkrankungen wird nun von einem Forschungsteam der 2. Psychiatrischen Abteilung der Klinik Hietzing auch in einer Studie erfasst. „Im Rahmen davon untersuchen wir nicht nur die therapeutischen Effekte, sondern auch mögliche Herausforderungen in der praktischen Umsetzung“, erklärt Christina Bauernfeind, Studienleiterin, Internistin und Gartentherapeutin in der 2. Psychiatrischen Abteilung.
„Psychische Gesundheit erfordert innovative und ganzheitliche Zugänge, die über klassische medizinische Interventionen hinausgehen. Gartentherapie schafft Räume für Bewegung, soziale Interaktion und sinnstiftende Betätigung – all das sind zentrale Elemente für nachhaltige Genesung. Mit der Förderung dieses Projekts setzen wir ein Zeichen für moderne, menschlich orientierte Versorgung und unterstützen aktiv den Abbau von Vorurteilen gegenüber psychischen Erkrankungen“, sagt Peter Hacker, Gesundheitsstadtrat und Vorsitzender des Medizinisch-Wissenschaftlichen Fonds des Bürgermeisters.
Begegnungsort Therapiegarten
„Die Ergebnisse der Studie sollen eine fundierte Grundlage für die Weiterentwicklung und Implementierung ähnlicher Projekte im klinisch-psychiatrischen Bereich bieten“, ergänzt Matthäus Fellinger, Abteilungsvorstand der 2. Psychiatrischen Abteilung. Zugleich soll damit ein Beitrag zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen geleistet werden. Die Studie wird in Kooperation mit der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik im Therapiegarten der Klinik durchgeführt.
Das Karl-Landsteiner-Institut für Mental Health wurde 2024 von Matthäus Fellinger gegründet, der es seither auch leitet. Ziel des Instituts ist es, innovative Wege in der psychiatrischen Versorgung zu erforschen und in die Praxis zu überführen. Im Zentrum stehen dabei Inklusion, ganzheitliche Betreuung sowie individuell abgestimmte Therapieangebote, die sich an Alter, Entwicklungsstand und Lebenssituation der Patient·innen orientieren – mit besonderem Fokus auf Menschen in vulnerablen Lebenslagen.