Der See von Bad Hévíz zählt zu den größten natürlichen Thermalseen der Welt. Selbst im Winter sinkt die Wassertemperatur nie unter 24 Grad Celsius. Die wohltuende Wirkung des Seewassers war bereits den Römern bekannt.
In der kühlen Herbstluft dampft der See. Durch den Nebel schillern unzählige Badekappen und Schwimmnudeln in grellen Farben. Sie leuchten mit den Seerosen um die Wette, die ganzjährig in Rot, Lila oder Weiß blühen. Wie in Zeitlupe bewegen sich einige Schwimmerinnen im Wasser. Die Mehrzahl der Badenden dümpelt aber noch gemächlicher dahin. Für diese beschauliche Langsamkeit gibt es gute Gründe: Die Badeordnung rät nämlich von allzu anstrengenden Bewegungen im Wasser ab. Spätestens nach 20 bis 30 Minuten sollte unbedingt eine Pause einlegt werden. Die maximale Verweildauer im Wasser ist auf 90 Minuten pro Tag beschränkt. Darüber hinaus würden Herz und Kreislauf zu sehr belastet. Das zeigt, wie stark die Heilwirkung des Wassers ist.
Nach aktuellem Wissensstand ist der Thermalsee von Héviz ungefähr zeitgleich mit dem Balaton vor 20 bis 22 000 Jahren entstanden. Entdeckt wurden die gesundheitsfördernden Effekte des Hévízer Thermalwassers bereits von den Römern. Der Legende nach soll sogar der oströmische Kaiser Flavius Theodosius im See eine „wundersamen Genesung“ erlebt haben. Die Römer nutzten das Heilwasser sowohl zum Baden als auch für Trinkkuren. Davon zeugen zahlreiche Hinterlassenschaften wie Goldmünzen, römische Gutshäuser und Gräber.
Gespeist wird der 4,6 Hektar große See aus einer 38,5 Meter tiefen Quelle. Bevor das Wasser an die Oberfläche steigt, durchfließt es eine sieben Meter dicke Torfschicht. Dabei werden chemische Verbindungen wie Schwefel, Kalzium oder Magnesium gelöst. Aufgrund des hohen Mineralstoffgehalts eignet sich das Hévízer Wasser und der Torfschlamm hervorragend zur Behandlung von Rheuma, Osteoporose oder Erkrankungen des Bewegungsapparats. Der Wasserdurchfluss aus der Quelle beträgt etwa 410 Liter pro Sekunde. Dadurch kann das Wasser im See innerhalb von 72 Stunden vollständig ausgetauscht werden. Das aufsteigende warme Wasser hat eine Temperatur von ungefähr 40 Grad Celsius – je nach Jahreszeit und Wetterlage beträgt die Oberflächentemperatur in den kältesten Monaten 24 und in den Sommermonaten sogar 38 Grad Celsius.
Badekultur mit langer Tradition
Der Grundstein für die Badeanstalt wurde Ende des 18. Jahrhunderts gelegt. Nachdem die therapeutische Wirkung des Wassers erstmals wissenschaftlich nachgewiesen wurde, ließ Graf György Festetics einfache Badehäuser errichten. Ab 1905 läutete der Pächter Wenzel Reischl das goldene Zeitalter des Seebads ein. Dem gelernten Brauer gelang es Hévíz als internationale Badestadt zu etablieren. Er ließ zahlreiche Hotels, Gaststätten und einen für jeden Badeort obligatorischen Kursalon errichten. Im Jahre 1907 wurde an der Stelle der alten Brücke eine überdachte Brücke errichtet, und in diesem Jahr wurden auch der charakteristische Haupteingang mit den zwei Türmen sowie das Hévíz Sanatorium und Kurhotel erbaut. Im Jahre 1911 errang die Stadt den Titel „Siedlung mit Badestadtcharakter“. Im selben Jahr wurde zu Saisonauftakt erstmals eine große Parade entlang des Sees abgehalten. Zur Erinnerung daran findet die Parade bis heute zum Saisonstart am letzten Wochenende im April statt.
Regionale Köstlichkeiten

Hévízer Bauernmarkt © Ute Fuith
Auf dem Marktplatz von Hévíz findet an drei Tagen der Woche, Dienstag, Donnerstag und Samstag, ein Bauernmarkt statt. Es gibt Stände mit Antiquitäten, Holzschnitzereien, Weidenkörbe, Blumen und selbstverständlich sehr viel ungarische Kulinarik. Bekannt ist der Markt auch für die wohl besten Langos Westungarns, die kann man salzig, mit ganz viel Knoblauch, Käse oder Sauerrahm essen, oder auch süß. In einer kleinen überdachten Markthalle bieten Bauern aus der Region ihre Waren an: Es gibt Salamis, süßes und scharfes Paprikapulver, Wallnüsse, Marmeladen, Säfte, Schinken oder Schnäpse, die natürlich gleich vor Ort verkostet werden können. Der Markt hat, wie auch das Seebad und sämtliche Hotels von Hévíz, ganzjährig geöffnet. Die Heilwirkung des Sees lässt sich sehr gut mit zusätzliche Wellnessbehandlungen ergänzen. Die meisten Hotels bieten Massagen, Kohlensäurebäder und vieles mehr an, so auch das Hunguest Hotel Helios. Es verfügt über eigene Heilwasserbecken, aber auch Sportbecken zum Schwimmen und einen schönen, weitläufigen Park.
Kleine Ausflüge

Botanischer Garten in Keszthely © Ute Fuith
Die 5000-Seele-Gemeinde Hévíz liegt nur knapp fünf Kilometer entfernt von der Universitätsstadt Keszthely am Balaton. Die Strecke lässt sich leicht per Rad bewältigen – es gibt zahlreiche Fahrrad- und E-Bike-Verleihstationen, etwa beim Tourinform-Büro von Hévíz. Sehenswert ist Keszthely vor allem wegen des Barockschlosses Festetics, das eine beeindruckende Bibliothek mit mehr als 50 000 Büchern beheimatet. Die Bibliothek überstand sogar den zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet: Ein findiger Offizier ließ damals den Zugang zur Bibliothek kurzerhand zumauern und erklärte die Räume dahinter zur Quarantänestation für infektiöse Krankheiten. So konnte der Originalzustand bis heute erhalten werden. Zum Schlosspark gehört auch ein wunderschöner, botanischer Garten mit Orangerie, die auf alle Fälle einen Besuch wert sind.
Von Hévíz oder Kesztely aus kann man zahlreiche Ausflüge ins Hinterland machen. Die bergige Balaton-Region wurde über Millionen von Jahren durch aktive Vulkane geformt, die längst erloschen sind. Im Vulkanring sind sogenannte Zeugenbergen wie der Hegyestű, dessen nördliche Hälfte durch Basaltabbau offenliegt und so den Blick freigibt auf das Innere des Vulkans. Viele der Zeugenberger, darunter der Badacsony bieten atemberaubende Panoramablicke über den Plattensee und die umliegende Landschaft. Zu sehen ist der beeindruckende Feuerring aber auch bei einer Schifffahrt am Balaton. Das ist auch weniger anstrengend als bergauf gehen.
Grundsätzlich kann man die Region um Hévíz ganzjährig besuchen. Es gibt auch günstige Zug- und Busverbindungen. Die ideale Reisezeit hängt von den persönlichen Vorlieben ab: Der Frühling und Frühsommer eignen sich mit milden Temperaturen und blühender Natur genauso für Outdoor-Aktivitäten und Naturerlebnisse wie der goldene Herbst. Und der Winter ist sowieso ideal für einen Thermalurlaub, um das warme Wasser zu genießen und gleichzeitig von den gesundheitlichen Vorteilen des Klimas zu profitieren.